Bar-Kochba-Aufstand

Silberne Tetradrachme der Bar Kochba-Administration. Vorderseite: Tempelfassade, Aufschrift: Schim‘on, Rückseite: Lulav und Etrog für das Laubhüttenfest, Aufschrift: Erlösung Jerusalems.[1]

Als Bar-Kochba-Aufstand bezeichnet man den jüdischen Aufstand gegen das Römische Reich von 132 bis 136 n. Chr. unter Führung von Simon bar Kochba. Nach dem ersten Jüdischen Krieg 66–74 war er, je nachdem ob man den Diasporaaufstand 115–117 mitzählt, der zweite oder dritte jüdisch-römische Krieg. Die Forschung ist in einer Reihe von Fragen nicht zu einem Konsens gelangt: der unmittelbare Anlass des Aufstandes, die Ausdehnung des von Bar Kochba kontrollierten Gebiets, insbesondere, ob es Jerusalem mit einschloss, und das Ausmaß der römischen Reaktion. Als Basistext gilt allgemein der knappe Bericht des Cassius Dio, der nur in einem Exzerpt des Johannes Xiphilinos vorliegt. Er wird in einzelnen Punkten korrigiert und ergänzt durch andere antike Autoren. In der Frage, welche historischen Informationen sich der rabbinischen Literatur entnehmen lassen, gehen die Meinungen weit auseinander. Textfunde aus der Wüste Juda (Wadi Murabba‘at, Naḥal Ḥever) haben das Bild der Administration Bar Kochbas erweitert.

Vor Ausbruch der Kämpfe hatte Hadrian im Jahr 130 die Provinz Judäa besucht und an der Stelle der im Jahr 70 zerstörten Stadt Jerusalem, wo sich seitdem ein römisches Militärlager befand, die Kolonie Aelia Capitolina gegründet. Die Planungen für den Aufstand begannen bald, nachdem der Kaiser die Region verlassen hatte. Vom römischen Militär unbemerkt, richteten die Rebellen zahlreiche Operationsbasen für einen Guerillakrieg ein. Die in kleinen Lagern untergebrachten Auxiliareinheiten waren ihr erstes Ziel. Da die römische Armee sich auf diese Art der Kriegführung zunächst nicht einstellte, erlitt sie in der Anfangsphase schwere Verluste, die durch Truppenaushebungen kompensiert werden mussten.

Das Kerngebiet des Aufstands lag südlich Jerusalems im Westjordanland. Doch kontrollierten die Rebellen ein größeres Territorium, wobei umstritten ist, ob sich der Aufstand auf die ganze Provinz Judäa ausweitete, was auch Galiläa einbeziehen würde. Als Ziele der Rebellen werden in Urkunden und auf Münzprägungen die Begriffe „Erlösung“ und „Befreiung“ genannt. Wahrscheinlich richteten sich auf den Militärführer Bar Kochba messianische Erwartungen. Er bezeichnete sich allerdings nicht als Messias, sondern gebrauchte den Titel Nasi.

Kaiser Hadrian beorderte den Feldherrn Sextus Iulius Severus von Britannien nach Judäa. Er übernahm 134 den Oberbefehl der römischen Truppen mit einer an den Kampf im Bergland angepassten Strategie. Seine Kriegsführung war auf eine systematische Zerstörung des jüdischen Siedlungsgebiets gerichtet. Im Herbst 135 fiel Betar, die letzte Festung der Aufständischen. Nach den literarischen Quellen starb Bar Kochba hier. Im Kerngebiet des Aufstands war nach dem Ende des Krieges der größte Teil der Bevölkerung tot oder versklavt. Ihr Landbesitz fiel an den kaiserlichen Fiskus und wurde teils verkauft, teils an Veteranen vergeben.