Davidisch-salomonisches Großreich

Volutenkapitell aus der alten Stadt Megiddo im nördlichen Israel (Eisen-IIA-Zeit); die Palast­architektur in Megiddo ist nach der High Chronology in die Zeit Salomos zu datieren und vermittelt einen Eindruck von Palast­bauten in Jerusalem (Oriental Institute Museum Chicago)

Davidisch-salomonisches Großreich bezeichnet nach einer Hypothese der Bibelwissenschaft einen Staat im östlichen Mittelmeerraum in der Zeit des 10. Jahrhunderts v. Chr., im angelsächsischen Sprachraum United Monarchy genannt.

Die deutschen evangelischen Theologen Albrecht Alt (1883–1956) und Martin Noth (1902–1968) und ihre Schüler fanden in den Samuel- und Königsbüchern der Bibel Informationen, die sie für historisch zuverlässig hielten, und schlossen daraus auf die geschichtlichen Abläufe. Es ergab sich für sie, dass Jerusalem im 10. Jahrhundert v. Chr. das Verwaltungszentrum eines großen Staates sowie ein Ort kultureller Blüte gewesen war. Gerhard von Rad (1901–1971) prägte für das kulturelle Leben am Hof Salomos die Formulierung „Salomonische Aufklärung“ und nahm an, dass Teile des Alten Testaments in diesem Umfeld verfasst wurden.

Als geschichtliche Eckdaten werden die Einnahme Jerusalems durch König David sowie die Reichsteilung nach dem Tod seines Sohnes und Nachfolgers Salomo angesehen; beide Herrscher waren zur Zeit von Scheschonqs erstem Palästinafeldzug im Jahre 926 v. Chr. bereits verstorben. Genauere Angaben sind nicht möglich, da die Regierungszeit Davids und Salomos in der Bibel mit je 40 Jahren angegeben wird, einer symbolischen Zahl (sie entspricht einer Generation).

Die neuere Forschung hält die Existenz eines davidisch-salomonischen Großreichs weitgehend für eine literarische Erfindung (Fiktion). Biblische Archäologen, die daran weiterhin festhalten, werden als „Maximalisten“ bezeichnet. Viele neuere Fachleute verstehen sich als „Minimalisten“: Aus ihrer Sicht waren David und Salomo zwar historische Personen und Herrscher, hatten aber nur regionale Bedeutung. Einige Fachleute („Nihilisten“ oder „Revisionisten“) bezweifeln grundsätzlich, dass die Bibel historisch belastbare Informationen über die Zeit vor dem Babylonischen Exil enthält.

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