Geschichte Russlands

Tausend Jahre Russland“ (1862). Monument vor der Sophienkathedrale in Nowgorod

Die Geschichte Russlands bietet einen Überblick über die Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung des russischen Staates.[1]

Ausgehend von der frühesten Besiedlung des heutigen russischen Territoriums seit der Altsteinzeit, beschäftigt sich dieser Artikel mit der Entstehung des Reichs von Kiew (von 980 bis 1240), der Kiewer Rus, des ersten ostslawischen Großreiches, das sich im 10. Jahrhundert formierte, durch die Annahme des Christentums von Byzanz her (988/89) in die christliche Ökumene eintrat und schließlich dem Mongolensturm zum Opfer fiel. Aus dem Konglomerat ostslawischer Teilfürstentümer, die der Zusammenbruch des Reiches von Kiew hinterließ, folgte die Zeit der Nachfolgereiche (im Westen von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, im Osten bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts).[2] die unter die Herrschaft der Goldenen Horde fielen. In dieser Zeit entfremdete sich Russland zunehmend gegenüber dem Rest des westlichen Kulturkreises.

Mit dem zunehmenden Zerfall der Goldenen Horde und der gleichzeitigen inneren und äußeren Konsolidierung der nordöstlichen Rus rund um das Großfürstentum Moskau begann – durch die räumliche Struktur begünstigt – eine territoriale Expansion, die die russische Geschichte seitdem entscheidend geprägt hat. Einer Phase der inneren Zerrüttung, der sogenannten Smuta, am Anfang des 17. Jahrhunderts, folgten mehrere Kriege gegen Polen-Litauen sowie Kriege gegen das Osmanische Reich. Zar Peter I. modernisierte mit den nach ihm benannten Reformen das seit 1721 imperiale Russische Reich und führte es an Westeuropa heran. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts festigte das Russische Reich seinen Anfang des Jahrhunderts erworbenen Großmachtstatus, baute ihn weiter aus. Die schnelle räumliche Ausdehnung zu dieser Zeit ließ jedoch für die innere Entwicklung kaum staatliche Mittel übrig, da das reale Sozialprodukt bald stagnierte. Nach der Niederlage der Grande Armée unter Napoleon im Russlandfeldzug 1812 festigte das Russische Reich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Vorherrschaft auf dem europäischen Festland. Aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen wie Autokratie und die zu Beginn des 17. Jahrhunderts eingeführte Leibeigenschaft konnte das agrarisch geprägte Reich jedoch mit den sich rasant entwickelnden Industriestaaten immer weniger Schritt halten, bis schließlich Zar Alexander II. nach der Niederlage im Krimkrieg eine Phase der inneren Reformen anschob.

Die Reformen beschleunigten Russlands wirtschaftliche Entwicklung, doch das Land wurde immer wieder von inneren Unruhen destabilisiert, da die politischen Veränderungen nicht weitreichend genug waren und große Teile der Bevölkerung ausgeklammert wurden. Durch die Februar- und Oktoberrevolution im Jahre 1917 während des Ersten Weltkriegs wurde die Zarenherrschaft über Russland beendet und in der Folge die sozialistische Sowjetunion gegründet, die bis 1991 Bestand hatte. Nach ihrer Auflösung ging die Russische Föderation durch einen schwierigen Transformationsprozess, der zunächst große Einbrüche sowohl beim nationalen BIP als auch bei der wirtschaftlichen Situation vieler Menschen verursachte. Darauf folgte ab dem Jahr 2000 ein von der Weltkonjunktur begünstigter Aufschwung.

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