Geschichte Spaniens

Spanien um das Jahr 1200, etwa am historischen Wendepunkt der Reconquista
Denkmal in Erinnerung an die Cortes von Cádiz (1810–1813), die die erste spanische Verfassung schufen.

Die Geschichte Spaniens im Sinne einer menschlichen Besiedlung reicht 1,4 Millionen Jahre zurück. Der Neandertaler verschwand wohl vor 45.000 Jahren, möglicherweise ohne dem modernen Menschen begegnet zu sein. Das Neolithikum (ab dem 6. Jahrtausend v. Chr.), der Übergang von der aneignenden Lebensweise der Jäger, Fischer und Sammler zur produzierenden, letztlich bäuerlichen Lebensweise setzte durch Zuwanderung aus dem zentralen Mittelmeer ein.

Ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. ist der Handel phönizischer Seefahrer mit den südspanischen Küstenregionen nachweisbar. Spätestens ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten sie Kolonien, die als Basen für den Handel dienten; später folgten Griechen, vor allem aus dem phokäischen Massalia. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. gelangten keltische Stämme vom Norden auf die Halbinsel und vermischten sich in den nördlichen und westlichen Regionen mit den einheimischen Iberern (siehe Keltiberer). Während der Punischen Kriege eroberten die auf die Phönizier zurückgehenden Karthager weite Teile des Südens und des Ostens der Halbinsel. Nach der Niederlage Karthagos eroberten die Römer in einem langen Prozess die gesamte Halbinsel. Die Provinz Hispania entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil des Römischen Reiches.

Als das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert zusammenbrach, eroberten Westgoten das Land. Ihre Herrschaft wurde ab 711 durch muslimische Heere beendet. Diese als Mauren bezeichneten Berbergruppen eroberten den Großteil der iberischen Halbinsel, bis der Gote Pelayo (er ist nur in einer gefälschten Chronik belegt) ihren Vormarsch in der Schlacht von Covadonga in Nordspanien beendete. Dieses Ereignis sollte im Rückblick den Beginn der Rückeroberung des Landes durch die Christen markieren, der sogenannten Reconquista. Das maurische Spanien wurde nach 750 unabhängig vom arabischen Weltreich, 929 rief Abd ar-Rahman III. Al-Andalus zu einem eigenen Kalifat aus. Streitigkeiten zwischen den Adelsfamilien führten dazu, dass das Kalifat nach einem Jahrhundert in zahlreiche kleine Reiche zerfiel.

Inzwischen wurde der Einigungsprozess im Norden vor allem durch Kastilien vorangetrieben. Das Königreich León wurde 1037 von König Ferdinand dem Großen erobert; zudem verfolgten die Kastilier imperiale Ziele und nahmen zeitweise den Kaisertitel an. Die beiden Königreiche brachen 1157 wieder auseinander, als König Alfonso VII. eine Erbteilung vornahm. Um 1230 wurden sie von Ferdinand III. wieder im Königreich Kastilien vereinigt. 1469 heirateten Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien; später wurden Aragonien und Kastilien vereint.

1492 eroberten die vereinigten Reiche mit Granada das letzte muslimische Herrschaftsgebiet. Ebenfalls 1492 entdeckte Kolumbus Amerika. Das Bestreben, aus Spanien ein einheitliches katholisches Reich zu machen, begründete die dortige Inquisition. Spanien entwickelte sich zu einem der mächtigsten Vielvölkerstaaten. Als die Erbtochter Philipp, den Sohn des römisch-deutschen Kaisers heiratete, begann die Verbindung mit dem Haus Habsburg. Karl I. (von Spanien, zugleich Karl V. des Heiligen Römischen Reichs) vereinte 1517 eines der größten Kolonialreiche der Geschichte. Nachdem er sich 1556 zurückzogen hatte, wurde es zwischen der spanischen und der österreichischen Linie der Habsburger aufgeteilt. Dabei wurde das Land in umfassende Kriege mit Frankreich, den Niederlanden und England, aber auch dem Osmanenreich verwickelt.

Als 1700 der letzte Habsburger-König Karl II. ohne Nachfolger gestorben war, folgte ihm der Neffe des französischen Königs Philipp von Bourbon. Der Spanische Erbfolgekrieg ergriff weite Teile Westeuropas. Napoleon, der nach der französischen Revolution die Herrschaft in Frankreich angetreten hatte, eroberte Spanien und setzte seinen Bruder als König ein; die Spanier wehrten sich in einem langwierigen Guerillakrieg. Nach der Niederlage Napoleons wurde Ferdinand VII. wieder als König eingesetzt. Er regierte absolutistisch bis zu seinem Tod 1833; ihm folgte seine (damals zweijährige) Tochter Isabella II. Sie regierte bis 1868. Wirtschaftliche Rezession, politische Instabilität und der Verlust fast aller Überseebesitzungen kennzeichneten die Bourbonenherrschaft.

Nach der Revolution von 1868 entstand 1873 für ein Jahr die Erste Spanische Republik. Eine 1895 beginnende Rebellion in der Kolonie Kuba führte schließlich zum Krieg gegen die USA, durch den Spanien seine letzten Kolonien verlor. Spanien nahm nicht am Ersten Weltkrieg teil. Die Weltwirtschaftskrise traf Spanien wegen seiner geringen Außenhandelsverflechtung deutlich schwächer als andere Staaten.[1] Die Verbindung des Königs mit dem Diktator Miguel Primo de Rivera diskreditierte die Monarchie; am 14. April 1931 rief Niceto Alcalá Zamora die Zweite Republik aus.

Die Spannungen zwischen der republikanischen Regierung und den in Katalonien verwurzelten Anarchisten und der nationalistischen Opposition gipfelten schließlich im Bürgerkrieg der Jahre 1936 bis 1939, in den sich auch Deutschland, Italien und die Sowjetunion militärisch einschalteten. Die Nationalisten unter Francisco Franco setzten sich 1939 durch. Franco hielt Spanien zwar aus dem Zweiten Weltkrieg heraus, seine Diktatur führte aber zu politischer und wirtschaftlicher Isolation.

Diese Isolation konnte erst nach seinem Tod 1975 aufgebrochen werden und eine konstitutionelle Monarchie entstand. Juan Carlos I. stellte sich 1981 gegen einen Putschversuch. Ministerpräsident Adolfo Suarez setzte Reformen durch, die den Übergang zur Demokratie brachten. Spanien trat 1982 der NATO und 1986 der Europäischen Gemeinschaft bei und führte 2002 den Euro als Bargeld ein. 2007 platzte in Spanien eine Immobilienblase; 2008 geriet das Land in die Finanzkrise. Zugleich wurden separatistische Bewegungen, vor allem in Katalonien, stärker.

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