Leipziger Disputation

Die erste bildliche Darstellung Luthers als Augustinereremit mit Doktorhut. Die Umschrift ist spiegelverkehrt geschnitten. Detail vom Titelblatt der Predigt, die Luther während der Disputation hielt: Ein Sermon geprediget tzu Leipßgk. (Wolfgang Stöckel, Leipzig 1519)

Als Leipziger Disputation wird ein akademisches Streitgespräch zwischen dem Ingolstädter Theologieprofessor Johannes Eck und den Wittenberger Theologieprofessoren Andreas Bodenstein (genannt Karlstadt) und Martin Luther bezeichnet. Es fand vom 27. Juni bis zum 15. Juli 1519 in Leipzig statt. Im Mittelpunkt stand die Disputation über den päpstlichen Primat, dessen Herleitung aus göttlichem Recht von Luther verneint und von Eck verteidigt wurde.

Im Verlauf der Diskussion relativierte Luther nicht nur die Autorität des Papstes, sondern auch die Autorität von Konzilien. Damit hatte er sich faktisch vom Kirchenverständnis seiner Zeit gelöst. Eck hatte Luther durch seine Argumentation dazu gebracht, Sätze des vom Konstanzer Konzil als Ketzer verurteilten Jan Hus zu bekräftigen. Der Ingolstädter ließ sich nach dem Ende der Veranstaltung in Leipzig als Sieger der Disputation feiern. Auch Luther räumte ein, dass Eck gesiegt habe. Allerdings trat der von Eck erwartete Effekt nicht ein: Sympathien für einen Ketzer bekundet zu haben, schadete Luther nicht. Das akademische Urteil über die Disputation blieb aus, aber die öffentliche Meinungsbildung kam in Gang und fiel zugunsten Luthers aus. Luther begann, Jan Hus als seinen Vorläufer zu interpretieren.