Geschichte Mailands | entwicklung zur comune

Entwicklung zur Comune

Ambrosius von Mailand

Nach der Gründung der langobardischen Hauptstadt in Pavia blieb Mailand das Zentrum der italienischen Opposition gegen die Fremdherrschaft. Die Langobarden waren Arianer, und die Erzbischöfe Mailands waren von den Tagen Ambrosius' an immer orthodox gewesen. Mit ihrer Oppositionshaltung erlangten die Bischöfe großen Einfluss im Volk und konnten sich allmählich zusätzlich zu ihrer geistlichen Autorität militärische, exekutive und richterliche Macht aneignen. Diese Macht übten sie über ihre Delegaten aus, die visconti genannt wurden.

Als das langobardische Königreich 774 nach dem Hilferuf des Papstes unter Karl dem Großen, dem Frankenkönig, fiel, wurden die Erzbischöfe von Mailand noch weiter durch die enge Allianz zwischen Karl und der Kirche gestärkt, die ihnen eine Art Bestätigung ihrer vorübergehenden Autorität gab, und auch durch Karls Politik, die großen langobardischen Lehen und Herzogtümer zu unterteilen, die er durch kleinere Bezirke ersetzte. Unter der verwirrten Regierung von Karls unmittelbaren Nachfolgern war der Erzbischof die einzige wirkliche Macht in Mailand. Aber es gab zwei Arten von Schwierigkeiten in der Situation, kirchliche und politische; und ihre Existenz hatte deutliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Volkes und das Wachstum der Kommune, welches die nächste Stufe in der Entwicklung Mailands war.

Karl der Große empfing ob seines Engagements vom Papst die Kaiserkrone im Jahre 800. Sein Sohn Pippin übernahm die Herrschaft im neuen Regnum Italiae.

Auf der einen Seite musste der Erzbischof gegen die Häretiker oder gegen fanatische Reformer kämpfen, die innerhalb des Volkes eine Anhängerschaft fanden; auf der anderen Seite wollten Kaiser, Adlige und das Volk ihn auf ihrer Seite wissen, denn er war die einzige Macht in der Stadt. Zu welcher Partei er auch gehörte, die zwei anderen opponierten immer gegen ihn. Aus diesen Gründen passierte es manchmal, dass es zwei Erzbischöfe und daher keine zentrale Gewalt gab, oder gar keinen Erzbischof, oder auch einen Erzbischof im Exil. Das Hauptresultat dieser Schwierigkeiten war, dass sich ein Unabhängigkeitsstreben und die Fähigkeit, für sich selbst zu urteilen und zu handeln, im Volk von Mailand entwickelte.

Der Terror der ungarischen Invasion 899 half den Mailändern weiter auf ihrem Weg zur Freiheit, denn er zwang sie, Waffen zu ergreifen und die Stadt zu befestigen, so dass Mailand mehr denn je unabhängig von Feudalherren wurde, die in ihren Burgen auf dem Land lebten. Die Tyrannei dieser Adligen trieb die Bauern und kleineren Vasallen dazu, Schutz für ihr Leben und Eigentum sowie Gleichheit in der Besteuerung und Rechtsprechung zu suchen. Dies konnten sie nur innerhalb der Stadtmauern und unter der Herrschaft des Erzbischofs finden. Auf diese Weise wuchs Mailands Bevölkerung und lernte, sich selbst zu regieren. Seine Einwohner wurden erstmals „Milanesi“ unter der Fahne von Sant’Ambrogio; sie waren nicht mehr Untertanen eines fremden Eroberers, sondern ein individuelles Volk, mit einem Stadtleben und eigenen Interessen.