Geschichte des Wallis | früh-neuzeit

Früh-Neuzeit

Karte des Wallis (Johannes Stumpf, Christoph Froschauer: Landtaflen, 1556)

Reformation

1535 setzte sich unter Beiwirken Berns in der Stadt Genf die Reformation durch. Karl III., Herzog von Savoyen, verhängte als Gegenreaktion eine Lebensmittelsperre über die Stadt Genf. Hierauf erklärte Bern am 16. Januar 1536 Savoyen den Krieg. Bern besetzte kampflos das savoyische Waadtland und die Stadt Genf. Der Reformation stand man im Wallis aber eher ablehnend gegenüber. Ende Januar zogen die Sieben Zenden des Wallis deshalb ihre Truppen bei Saint-Maurice an der Grenze zusammen. Als die Berner Truppen nun ins Chablais vorstiessen, besetzten die Walliser das linke Rhoneufer und stiessen bis zum Genfersee vor, dann westwärts bis über Evian an den Fluss Drance, also auf savoyisches Gebiet. Somit wurde ein weiteres Vorgehen der Berner im Rhonetal vereitelt. (1528 hatte das Wallis mit Savoyen einen Friedensvertrag abgeschlossen, in dem auf gegenseitige Eroberungen verzichtet wurde.) Um die Besetzung der savoyischen Gebiete zu legitimieren, wurden die dortigen Gemeinden aufgefordert, um militärischen Schutz zu bitten. Die Zenden garantierten ihnen dann, den katholischen Glauben zu schützen. Ferner wurde dem Herzog versprochen, die besetzten Gebiete an Savoyen zurückzugeben, wenn Bern dies ebenfalls tun würde.

1544/45 erschien bei Sebastian Münster in Basel die erste Karte des Kantons Wallis, die zugleich die erste Karte eines einzelnen Kantons und eine der ersten Regionalkarten im Gebiet der Alpen ist. Ihr Autor ist der Priester Johann Schalbetter.

Als 1564 Bern die Gebiete südlich des Genfersees an Savoyen zurückgab, weigerten sich die Walliser, das Gleiche zu tun. Erst 1569 einigten sie sich mit dem Herzog von Savoyen und gaben die Landvogteien Evian und Hochtal an Savoyen zurück. Die Landvogtei Monthey, die dem Wallis den Zugang zum Genfersee sicherte, blieb jedoch Untertanenland der Sieben Zenden.

In der frühen Neuzeit war die Hexenverfolgung im Wallis sehr verbreitet, es gab mehr Opfer als in den meisten anderen Gebieten Europas.

Um 1585 entstanden in Sitten und Leuk reformierte Laienverbindungen, deren Mitglieder sich regelmässig zu gemeinsamer Bibellektüre, Diskussionen, Gebet und Gesang trafen. 1591 versuchte der Bischof erstmals diese reformierten Glaubenspraktiken zu unterbinden. 1603 kamen ihm die oberen Zenden, die katholischen eidgenössischen Orte und Frankreich zu Hilfe. 1604 beim sogenannten Visper Abschied mussten die Reformierten auswandern oder zu dem katholischen Glauben zurückkehren.

Im 16. Jahrhundert setzen die Zehnden ihre Unabhängigkeit vom Bischof durch. Der Landrat, worin Vertreter der Zenden und Gemeinden Einsatz nahmen, schrieb 1613 Freiheit (vom Bischof) und Demokratie fest. Der damalige Bischof Hildebrand Jost protestierte zwar erfolglos dagegen, und er gab erst 1634 seinen Widerstand gegen diese neue Ordnung auf.[3]

Siehe auch: Liste der Bischöfe von Sitten